Die Handysache

Ich mag mein Handy wirklich sehr. Wir kommen gut miteinadner zu recht, ich habe ein inniges Verhältnis zu ihm, kenne es auswendig und bediene es blind. Es steuert mein Lieblingsspielzeug fern und lässt mich unterwegs ganz viel Musik oder auch mal was informatives hören. Jedoch ist es nicht mehr das jüngste und hatte wohl in jeder Firmwareversion, die ich hatte, einen Zacken ab (vorher: der mp3-Player erkannte die Stücke in Unterordnern nicht; jetzt: die Bluetooth-Koppelung muss immer neu bestätigt werden), so beschloss ich, die Zeit des Abschiedes sei gekommen und neue Gefilde würden der Entdeckung harren.

Mein immergrinsender Anbieter preiste in seinem Netzladen das Nokia 6270 für nur ein Schtutz an, und gegen dieses Display und eine 2-Megapixel-Kamera war bei mir kein Kraut gewachsen. Ich hatte bisher Klapp- und starre Telefoninos, so wollte ich mal ein schiebbares ausprobieren. Na gut, ich hatte, obschon ich meine Seele für weitere zwei Jahre verkaufte, etwas mehr zu bezahlen als im Webshop stand, dafür trug ich stolz ein Kartonkistchen mit ins Tram und befreite mein Neues im Beisein einer Bekannten aus seinem Sagexbettchen.

Das erste wahrnehmbare Geräusch war das Schnappen des Schiebemechanismus, welcher sich mit einem “stlo” öffnete, das einen, meine Bekannte und ich waren uns einig, billigen ersten Eindruck machte.

Nach einigem ausprobieren, synchronisieren mit den Compi und umhertelefonieren war ich mir meiner Enttäuschung gewiss: Das Teil bringt’s nicht. Nicht nur verstand ich meine Gesprächspartner vor lauter scherbeln und klirren nicht, so dass ich stets mit dem Headset telefonieren muste, nein, auch der Kalender taugte nichts, wollte ich doch nach der Synchronisation mit den PIM von Hand einen weiteren Termin eintraden, worauf mir auf den Display ein “Speicher voll” engegenzüntete. Google klärte mich danndrüber auf, dass sich bei diesem Modell der Kalender und das Adressbuch den Speicher teilen würden, was bei vielen Einträgen zu gewissen Einschränkungen führen könne. Erstaunlich dass mein liebes altes nie über zu viele Einträge reklamiert hätte…

Auch die Menuführung war sehr umständlich ausgestaltet. Alles ist bildschirmgesteuert, es gibt keine Shortcuts. Dre Beispiele: Zum SMS verschicken benötigte ich mindestens 4 Klicks mehr als mit dem alten Gerät. Zudem sind die Tasten zwar schön gross, aber damit auch weit auseinander. Der Daumen landete allzu oft statt auf der Lösch-Taste auf der Aufhänge-Taste, was mich aus dem Editor katapultierte und nervte. Will man einen Kalendereintrag ändern (z.B. die Zeit), hat man sich nach getaner Anpassung duch die ganzen restlichen Angaben des Termins (Datum des Beginns, Zeit des Beginns, Datum des endes, Zeit des Endes, Ort, Alarmatum, Alarmzeit…) nach unten zu klicken, bis der Cursor finalement auf das “speichern”-Feld springt, mittels welchem man das Werk durch Druck auf die OK-Taste volbringen kann. Im Mp3-Player (der mit den mitgelieferten Ohrhörern nottabene hervorragend tönt!) kann man nicht mit einem Tastendruck ein Lied weiter und zurück springen, nein, wiederum muss auf dem Bildschirm zuerst das Feld “>>” ausgewählt und mit Enter aktiviert werden. Too many clicks!

Der Sunrise-Shop zeigte sich kulant, gab mir recht, dass das Telefonieren und Kalendereintragen in der gebotenen Form nicht viel nützen würde und liess mich ein neues Modell auswählen. Mein Anbieter preist ein ganz nettes in seinem Netzladen für nur ein Schtutz an. Ich hatte dafür dann doch ein wenig mehr zu bezahlen als für das Schubladen-Nokia, doch gegen dieses Ausstattung und eine 2-Megapixel-Kamera war bei mir kein Kraut gewachsen… Nun hängt bei mir ein Sony Ericsson K750i am Ladegerät und ich warte auf seinen ersten Schrei.

One Response to “Die Handysache”

  1. This Says:

    Ok, lassen wir das Ding schreien. Habe ich es als erster soweit gebracht?

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