Remember Shakti in Concert
Vorletzten Sonntag gönnte ich mir als Belohnung fürs Überleben der schriftlichen Anwaltsprüfung einen Ausflug mit Jan ins KKL, um die Band zu hören, deren Sound mich seit Monaten in Euphorie versetzt: Remember Shakti. Auch freute ich mich darauf, den vielgelobten Sound der KKL-Konzerthalle mit ihren Echokammern mal selbst hören zu können.
Die Band setzte sich zusammen aus den ursprünglichen Shakti-Mitgliedern John McLaughlin (Gitarre) und Zakir Hussain (Tabla), an ihrer Seite der Sohn des ursprünglichen Mitglieds TH Vinayakram, Vinayakaram Selvaganesh (Kanjira, Ghatam, Mridangam), Uppalapu Shrinivas (Elektrische Mandoline) und Shankar Mahadevan (Gesang)
Das Einleitungsstück 5 in the morning 6 in the afternoon wirkte noch träge und war von wenig spielfreude getragen, doch ab den dritten Stück kam die Chausse ins Grooven und die Magie war entfacht. In den meditativ plätschernden Passagen liessen die Rhythmen trotz der schnelligkeit eine treibende Ruhe entstehen, abgelöst wurden sie von schnellen und hochpräzisen Unisono-Teilen von Gitarre, Mandoline und Perkussion, deren Genauigkeit von der magischen Kommunikation zwischen den Spielern zeugte. Was an Musikalität und Präzision geboten wurde, sucht seinesgleichen.
Einige Wermutstropfen fanden sich in der Darbietung: Einerseits der üppige Einsatz von Elektronik. Mc Laughlin bediente sich mit Freuden des Gitarrensynthis um kitschige Klangteppiche zu erzeugen (dem Publikum schien die Enigmaeske Ethno-Athmosphäre zu gefallen); dass Hussain zu seiner Linken ein Drumpad bediente, störte daneben vergleichweise wenig. Anderseits arteten die Improvisationsteile teilweise in Klamauk aus: Dass Mc Laughlin irgendwo ein Bluesriff reinwirft, ist schon von einer der CDs bekannt und wirkte bestenfalls routinemässig, dass Hussain aber auf der Bayan (die tiefer gestimmte Trommel der Tablas) eine Rock’n'Roll-Basslinie intonieren musste, war für mich der Demonstration der Fähigkeiten zuviel. In der Passage, in welcher die Perkussionisten die gespielten Rhythmen mit der Stimme nachbilden, wirkte der Einbau von deutschen Wörtern no so glatt, ohne aber der Musik rgendwie zu dienen.
Eines der Highlights war ein sicher zwanzigminütiges Solo von Selvaganesh auf der Kanjira. Dieses Instrument ist eine kleine Rahmentrommel mit einer Schelle, die wie ein kleines Tamburin aussieht. es wird mit einer Hand gespielt und die Vielseitigkeit der Töne, die er zu entlocken vermochte, war unglaublich. Sicher eines der kurzweiligsten Perkussionssoli, das ich je gesehen habe.
Ach ja, die Konzerthalle: Dank schweren Boxen, die von der Decke hängen, war der Saal ordentlich beschallt. Leider kam die Musik eher wattig und leicht verschwommen bei den hinteren Reihen an, so dass die Brillianz der Präzision des Gespielten nicht unvermittelt übertragen wurde. AUch wirkte die Band akustisch weiter als sie tatsächlich war.
Fazit: Es war schön, die Band einmal zu sehen. Um richtig in indische Musik einzutauchen und sich treiben zu lassen, eignen sich kleinere Lokalitäten jedoch besser.
May 5th, 2006 at 9:53 am
Jan schrieb per E-Mail:
“Bin grösstenteils mit Deiner persönlichen Einschätzung einverstanden. Betreffend Elektronik fand ich v.a. die ausgiebigen Delay- und Reverse-Effekte (Echo und so) mühsam und “Tonbreigenerierend”. Den “Klamauk” habe ich hingegen als weniger störend empfunden. Was das KKL angeht, so eignet es sich wohl eher für Konzerte ohne grosse elektronische Unterstützung.”