Eine unglaubliche Reise in Marokko - II: Der erste Anlauf

Es begab sich also zu jener Zeit, man schrieb den frühen Morgen des Mittwoch 3. Mai anno domini 2006, das sich ein Mann an die Reisevorbereitungen machte. In seiner Kammer suchten die von der Anstregung der abgelegten Prüfung müden Augen den Pass, den Schlafsack, den Photoapparat und andere Reiseutensilien mehr. Doch zurück zur Ich-Erzählform.

Am Nachmittag noch erkundigte ich mich nach Gelegenheiten, wie ich um 05:30 in der Früh an den Flughafen Genf gelangen könnte. Einen Frühbus wie nach Zürich gibt es leider nicht, nicht mal von Lausanne, aber Tschabi stellte sich freundlicherweise zu dieser Unzeit als Chauffeur zur Verfügung. Ich informierte Karin, dass wir eine Mitfahrgelegenheit hätten und sie bedankte sich, meinte aber, sie würde am Nachmittag nach Zürich gehen und selber schauen, wie sie nach Genf käme. Sie würde mir sagen, in welchem Café des Flughafens sie auf mich warten würde.

Es war Donnerstag Morgen um vier und ich hatte anderthalb Stunden geschlafen bevor Tschabi vor der Tür stand. Unterwegs hörten wir uns eine CD mit bärndütsche Gschpängschtergschichte an, ein Umstand der heute ironisch wirkt, da kam das SMS von Karin, sie sei im Café Spetaccolo. OK, dachte ich, ich treffe sie dort. Plätzlich der Adrenalinstoss: Gopf! So heisst doch das Café unten im Bahnhof Bern!! Wartet sie etwa dort, haben wir uns missverstanden?? Ich zückte das Handy um ihr vorheriges SMS nochmal zu lesen doch konnte ich beruhigt sein, sie hatte ausdrücklich geschrieben, sie würde nach Genf fahren. Das sollte also klappen.

Am Flughafen angekommen waren wir (Asche auf mein Haupt) etwas knapp, eine Viertelstunde vor Schalterschluss. Ich erkundigte ich mich nach den genannten Café, aber kein Mensch kannte es. Bueno, dachte ich mir, wird wohl im SBB-Teil des Flughafens sein. Ich rief Karin an doch meldete sich bloss die Combox. Es wurde zehn minuten vor Schalterschluss, langsam gestresst versuchte ich immer wieder sie zu erreichen, durchspähte die Halle, schrieb SMS, doch… nix. Die erlösende Nachricht kam 5 Minuten vor Schalteschluss: War auf dem WC, und mein Handy spinnt, komme gleich zum Check-In. Endlich, denn die Zeit war knapp und sie hatte die Eincheckcodes. Sie kam und kam jedoch nicht, ich dachte ich spinnte.

Die nächste SMS von ihr liess mich aus den Socken plumpsen: Gopf, wo bist Du, ich sitze im Flieger und warte auf Dich! Den Sprint zum Check-In-Schalter hätte ich mir sparen können, genau so wie die peinliche Szene am Schalter für zu spät gekommene Gäste. Unsere Namen waren nicht im Computer, weder im Reservationssystem noch auf der Passagieriste. Ich war sprachlos und begann, der Luftfahrtindustrie zu misstrauen. Ich war besorgt um sie, ob sie, wie sie zurechtkommen würde. Um den Schaden so klein wie möglich zu halten, buchte ich einen Flug nach Malaga für am SA (der am FR war mir zu teuer, für das ich micht nicht verantwortlich fühlte).

Tschabi fuhr uns nach einem Entspannungskaffee wieder nach Hause und meine Mutter brachte mir den Hausschlüssel (da ich alle in der Nachbarschaft verteilt hatte und keinen mehr auf mir trug). Ich versuchte, Karin nach ihrer Landung zu erreichen, doch nada. Eine Stunde später kam ein SMS: Ich bin in Casablanca. WTF!! Casablanca?? Davon war nie die Rede!! Wie hätte ich das riechen sollen? Easyjet fliegt ja nicht dorthin!! Immerhin erklärte mir das, warum wir im Computer unauffindbar waren. Auf die Frage, mit welcher Gesellschaft sie geflogen sei, erhielt ich keine Antwort.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit obenabecho, schlafen, Ice Age 2 und noch mehr schlafen, den Freitag ebenso. Tschabi offerierte, mich am Samstag wieder nach GVA zu fahren, wenn ich sonst niemanden fände.

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