Greifenseelauf

Tschabi, Rögu und ich zogen heute die schnellen Schuhe an, bestigen den Zug gen Zürich und verspeisten darin eine Portion Teigwaren, denn wir zogen aus, uns am Greifenseelauf über die halbe Marathondistanz zu messen.

Für mich war es der erste Wettkampf seit der Schulzeit. Die Turntage im heimischen Säriswil, als Gastsportler in Murzelen, im hart umkämpften Uettligen oder zum hohen Bern hinterliessen ein tiefes Trauma; doch zehn Jahre nach der Matura ist der Kampfgeist von neuem erwacht. (Gewisse Freunde sprechen in diesem Zusammenhang von “Sams Midlife-Crisis”, doch ich weise diese Vermutungen weit von mir, ich fühle mich so gut wie nie, im Fall!) Schon Wochen vor dem Start standen Tschabi und ich unter enormem mentalen Druck, wetteten wir doch um ein Znacht, wer schneller sein würde.

Wir trafen uns am Bahnhof Bern beim Treffpukt, wo ein Stand der SwissTransplant aufgebaut war. Ich nahm die Gelegenheit wahr und füllte einen Organspenderausweis aus, denn vor den 21km hatte ich ziemlich Respekt. Und man kann nie wissen, vielleicht können sie ja noch etwas gebrauchen. Den Ausweis wolte ich beim Umziehen neben der Startnummer ans Shirt sicherheitsnädeln, doch Tschabi leistete wunderbare Überzeugungsarbeit und machte mich glauben, dass ich ihn nicht brauchen würde.

Am Nachmittag um 15:01h fiel der Schuss zur Ausmarchung, wer sich bei wem zu Tisch setzen darf. Die ersten drei Kilometer joggten wir zusammen und befürchteten, das Rennen mit Kilometerzeiten um die 4:30 zu schnell angegangen zu sein. Innere Spekulationen tobten: Habe ich genug getrunken, macht das Knie mit, wie stark ist Tschabi wohl mental, waren die Spaghetti im Zug al dente genug? Doch der angeschlagene Rhythmus behagte mir und ich bewegte mich regelmässig unter den angepeilten 5min. Die Schönheit der Landschaft kenne ich leider nur vom Hörensagen da mein Fokus auf den Absätzen des Vorderläufers und natürlich auf dem eisernen Wettgegner ruhten.

Um eine lange qualvolle Geschichte voller Heldenmut, Kampfgeist, Allianzen und Antipathien, kalte Duschen sowie - es lässt sich nicht bestreiten - interessanter Begegnungen rund um den Greifensee kurz zu fassen: Die letzten zwei Kilometer waren eine leidensvolle Mischung aus Seitenstechen, emne heisse schturme Gring und ebendiesem harten, der dem ihn tragenden Körper keine Schonung zugestand. Die Uhr stoppte bei 1:36,26.4 als ich durchs Ziel schwankte, was mir den gesamthaft 924. Rang und den 141. der Kategorie M30 eingebracht hat. Tschabi hatte leider weniger Wettkampfglück, er überhitzte und musste nach 18km aus dem Rennen ausscheiden.

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